Thesen


12 Thesen zum Thema „Neue Universität“


         
    These 1:

    Die westliche Zivilisation befindet sich gegenwärtig in der weltgeschichtlich einmaligen Situation, in der sich je nach Ausrichtung ihres Denkens und Handelns entscheiden wird, inwieweit ein globaler ökologischer Kollaps noch vermieden werden kann und inwieweit nicht.

    These 2:

    Wenn die zivilisierte Menschheit überleben will, muss sie ihre Wirtschafts- und Lebensweise radikal umstellen. Die Umstellung auf zunehmend naturgemäße Ressourcenbewirtschaftungen macht die Etablierung geeigneter gesellschaft-licher Rahmenbedingungen erforderlich - und zwar auf allen Ebenen - von lokal bis global. Die Natur als unverzichtbare Lebensbasis des Menschen bleibt dabei unüberbietbares Leitbild nicht nur für technisch-ökonomische, sondern auch für gesellschaftlich-organisatorische Lösungsansätze.

    These 3:

    Der notwendige Wandel in Richtung nachhaltiger Wirtschafts- und Lebensweisen ist sowohl gesellschaftlich als auch persönlich zu leisten. Das nötige Maß an persönlicher Selbstverantwortung, Selbstregulierung und Autonomie macht Bildungseinrichtungen erforderlich, die sich ihrerseits umorientieren. Die einseitige Wissensübermittlung von heute ist mehr und mehr durch selbstreferentielle - persönlichkeitsbildende - Lernprozesse zu ersetzen.

    These 4:

    Der immer dringender werdende zivilisatorische Kurswechsel ist insbesondere für die Wissenschaft eine enorme Herausforderung. Das Konzept der neuzeitlichen Naturwissenschaft, das der gegenwärtigen Zivilisation zugrunde liegt, ist aus dieser Perspektive in Frage zu stellen, der egozentrische Ansatz “Teile und Herrsche" ("divide et impera“) somit durch ein Paradigma abzulösen, mit dem die synergetische Entwicklung von Mensch und Natur nicht länger beeinträchtigt, sondern ermöglicht wird. Erst mit dem Übergang zu einer solchen Neuorientierung wird der Weg für eine Zivilisation frei werden, die es versteht, die natürliche Lebensbasis auch für zukünftige Generationen zu bewahren. 

    These 5:

    Eine dem größeren Ganzen gegenüber verantwortliche Wissenschaft hat ihrerseits adäquate institutionelle Rahmenbedingungen zur Voraussetzung. Die Neue Universität wird diesem Erfordernis durch eine Organisation gerecht werden, die den Systembezug sowohl in ihren Innen-, als auch in ihren Außenbeziehungen zu wahren versteht. Im Gegensatz zur herkömmlichen Universität wird sich der nachhaltig orientierte Wissenschaftsbetrieb von der Praxis her, d.h. problemorientiert, von jeweils multifunktional wahrzunehmen-den Lösungsansätzen ausgehend - kooperativ - organisieren, und damit den Partikularismus der neuzeitlichen Wissenschaft auch institutionell überwinden.

    These 6:

    Die Neue Universität wird folgerichtig die Fächer übergreifenden Zusammenhänge verstärkt in den Vordergrund rücken und damit einem Universalitätsverständnis gerecht werden, das - im Gegensatz zu den fragwürdigen Verallgemeinerungen monokausaler Modellvorstellungen - von einer Lebenswelt ausgeht, die sich räumlich wie zeitlich durch singuläre Prozessverläufe auszeichnet.

    These 7:

    Die Neue Universität wird konsequenter Weise jenen Themen ihre besondere Aufmerksamkeit schenken, die im Hinblick auf die existenziellen Herausforderungen von vorrangiger Bedeutung sind.

    These 8:

    Mit ihrer - im äußeren wie im inneren Umfeld wahrzunehmenden - Konzentration auf überlebensnotwendige Erfordernisse wird sich die Universität auch in eigener Sache einer Strategie bedienen, mit der sie ihre Kernkompetenzen auf möglichst effektive Weise, d.h. an den kybernetisch wirkungsvollsten Stellen und zwar in Lehre, Forschung und Praxis, umsetzen kann. Die Entwicklung einer solchen - evolutionsgemäßen - Intelligenz wird gleichermaßen ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer spezifischen Lehr- und Lernprozesse sein.

    These 9:

    Die Neue Universität wird von einer ausgewogenen Theorie-Praxis-Relation ausgehen: Alternative Forschung und Praxis (Erfahrung) als eigenständige Ausgangsbasis für theoretische Reflexion und dementsprechende Lernprozesse und . Das diesbezüglich neue Paradigma heißt: “Leben, Lernen, Lehren“, nicht: “Lehren, Lernen, Leben”.

    These 10:

    Die Neue Universität wird kraft ihres systemischen Ansatzes eine ausgeglichene Bewusstseinsentwicklung ermöglichen. Analytischer (intellek
    tueller, linkshemisphärischer) und ganzheitlicher (intuitiver, rechtshemisphärischer) Bewusstseinsmodus werden sich auf diesem Bildungsweg ergänzen, denn die Überwindung der inneren (psychischen) Systemtrennung ist eine Voraussetzung für adäquate Handlungsweisen im Äußeren.
                           
    These 11:

    Die Neue Universität wird durch ihren exemplarischen Umgang mit Mensch und Natur zu einem Vorreiter evolutionärer Entwicklungen werden.

    These 12:

    Die Neue Universität wird von einem Evolutionsverständnis ausgehen, das nicht nur für die bisherige, sondern auch für die weitere Entwicklung von Mensch und Natur relevant ist. Sie wird ihre Auffassung von Evolution als Teil der Evolution selbst verstehen und damit neuen Ansätzen gegenüber offen bleiben.


    Stand: Februar 2011

     

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